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Am falschen Ende gespart
Wartungsmuffel fahren gefährlich - Denn technische Mängel steigern das tödliche Unfallrisiko erheblich
Aus Kostengründen auf empfohlene Inspektionstermine zu verzichten, kann sich für Autofahrer rächen. Wer an der Sicherheit spart, bezahlt die Knausrigkeit am Ende womöglich mit dem Leben. Nach Aussagen von Sachverständigen steigt bei schlecht gewarteten Fahrzeugen das Unfallrisiko erheblich.
Von Felix Rehwald
Viele Wartungsmuffel bedenken nicht, dass sie mit ihrem Verhalten auch das Leben anderer Verkehrsteilnehmer aufs Spiel setzen. Für die mangelnde Wartungsbereit-schaft der Fahrzeughalter sind maßgeblich die stetig steigenden Fahrzeug-Unterhalts- kosten, wie das Marktforschungs -unternehmen Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in Ostfildern (Baden Württemberg) im aktuellen DAT-Report 2006 feststellt. Mehrkosten vor allem für Sprit würden dadurch kompensiert, dass an notwendigen Reparaturen und an der Wartung gespart wird.
So gaben bei einer Umfrage der DAT 21 Prozent der 1300 befragten Halter an, sie würden die Wartungs- und Reparaturarbeiten so weit wie möglich aufschieben, um ihre Autokosten zu senken. Im Jahr 2005 trieben 31 Prozent (2004: 29 Prozent)die Sparsamkeit sogar soweit, dass sie auf Wartungsarbeiten verzichteten.
Die Marktforscher rechnen nicht damit , dass sich der Trend ändert - im Gegenteil: Steigende Unterhaltskosten könnten dazu führen, dass ein noch größerer Teil der Autofahrer versuche, durch "groß- zügigen" Umgang mit der Wartung Unterhaltskosten einzusparen, heißt es in der Untersuchung.
Hinzu kommt, dass Autos in Deutschland immer länger gefahren werden. Laut DAT-Report war das bisherige Auto eines Neuwagenkäufers im 2005 durchschnittlich 7,1 Jahre alt und hatte eine Laufleistung von 108400 Kilometern. Sieben Jahre zuvor hatten Neuwagenkäufer ihr altes Auto dagegen im Durchschnitt nur 6,3 Jahre gefahren und dabei eine Laufleistung von 97.400 Kilometern erreicht.
Diese Entwicklungen wirken sich auf die Verkehrssicherheit aus - Fahrzeughalter, Wartungsbereitschaft und Mängelquote stehen im Zusammenhang. Daher vermerkt der DAT-Report trotz des steigenden Fahrzeugalters weniger Verschleißrepa -raturen. Dieser Umstand macht sich bei den Hauptuntersuchungen bemerkbar: "Je älter ein Fahrzeug ist, desto mehr Mängel werden festgestellt", sagt Markus Kugele, Analyst bei der Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart.
Einer Auswertung von 5956 Dekra-Gutachten nach Verkehrsunfällen zwischen 2001 bis 2004 zufolge hatten 46,7 Prozent der Unfallautos aus der Altersklasse über elf Jahre gravierende Mängel. In der Klasse der zehn- bis elfjährigen PKWs war das bei 39,2 Prozent der Fall, bei den acht- bis neunjährigen bei 29,9 Prozent. Von den sechs- bis siebenjährigen Unfallautos hatten 23,8 Prozent große Mängel, bei den bis zu drei Jahre alten Autos nur 11,1 Prozent.
Mehr als 26 Prozent der Unfallautos wiesen zum Teil gravierende Mängel auf, heißt es in der Studie zur technischen Sicherheit von Fahrzeugen. Bei fast einem Viertel (24 Prozent) der Unfall-Pkw mit Mängeln waren diese für den Unfall ursächlich oder mitverantwortlich. "Die Zahl der unfallrelevanten oder gar den Unfall auslösenden Mängel steigt mit zunehmenden Fahrzeugalter gravierend an"., schluss -folgern die Sachverständigen. Die höhere Mängelquote führe dazu, dass das Risiko, mit einem älteren Fahrzeug einen nfall zu verursachen, deutlich höher liegt, als mit einem jüngeren.
Am häufigsten stellten die Sachverstän- digen laut Martin Kugele Mängel an den Bremsen fest. Dazu zählten überalterte Flüssigkeit, abgenutzte Beläge und defekte Leitungen. Auch Mängel an Reifen und Fahrwerk tauchten oft auf: etwa abgefahrene Profile, falscher Druck und eingefahrene Fremdkörper. Mängel am Fahrwerk betrafen laut Kugele unter anderem korrodierte Lager und Gelenke oder sich lösende Teile.
Die Beispiele, die die Sachverständigen in der Studie auflisten, verdeutlichen die Risiken drastisch: Bei einem Lada versagte etwa durch Verschleiß während der Fahrt eine Traggelenk, wodurch ein Vorderrad plötzlich wegknickte. Der Wagen kam von der Straße ab und prallte gegen einen Baum, die Beifahrerin wurde schwer verletzt. Ein Seat Ibiza geriet durch einen Reifendefekt ins Schleudern, kam von der Fahrbahn ab und überschlug sich. Die hinteren Insassen wurden getötet, die Personen vorn schwer verletzt.
"Ein Laie erkennt solche Mängel nicht", sagt Kugele. Daher sei die regelmäßige Wartung durch Profis so wichtig. Auch Bert Korporal, Sachverständiger beim TÜV Nord in Hannover, weist auf die Tücken des schleichenden Verschleißes hin - etwa bei ausgeschlagenen Gelenken oder ausgeleierten Stoßdämpfern: "Man merkt es nicht, weil man sich an sein Auto gewöhnt hat. Es merkt nur ein Fremder, dass sich das Auto ,komisch' fährt."
Korporal empfiehlt Autofahrern daher neben einer regelmäßigen Inspektion, sich mit ihrem Fahrzeug zu beschäftigen. Wer bei jedem zweiten Tanken den Reifendruck kontrolliert, bemerke Reifenschäden viel eher. "Wenn das zur Routine wird, gewinnt man vom Zustand des Fahrzeuges ein ganz anderes Bild", sagt Korporal. "Auch wenn man kein Fachmann ist, fallen einem Mängel auf."


